Dritte Pressemitteilung seitens der protestierenden Asylsuchenden

Dritte Pressemitteilung seitens iranischer Asylbewerber/innen des Landes Hessen in Frankfurt vom 16.11.2012

Wir sind Flüchtlinge, die in ihrem Land an Leib und Leben bedroht werden.

Nach Deutschland sind wir mit der Hoffnung gekommen, wieder ein Leben in Normalität und Selbstbestimmung leben zu können. (Dazu müssen wir einer geregelten Arbeit nachgehen, um unseren Lebensunterhalt selbst verdienen zu können.)

Grundvoraussetzung dafür ist ein gesicherter Aufenthaltsstatus. Viele von uns sind über zehn Jahre mit Abschiebung bedroht und leben in ständiger Angst.

Wir fordern:

  • Abschaffung der Residenzpflicht in allen Bundesländern.
  • Anerkennung des Rechts auf Asyl.
  • Zügige Verfahren für die Asylanträge ohne jahrelange Verschleppung.
  • Unterbringung in Wohnungen statt in Lagern.
  • Ein Recht auf Arbeit und das Recht uns selbst versorgen zu dürfen.

Stellvertretend für alle Asylsuchende und Flüchtlinge in Deutschland haben wir auf unserer Mahnwache (vom 20.10.2012 bis 11.11.2012) in Frankfurt bislang 1500 Unterschriften für unsere Forderungen gesammelt.

Wir haben von allen Seiten sehr große Unterstützung erhalten und bedanken uns recht herzlich bei allen unseren Unterstützern, für die geleistete Hilfe.

13 Aktivisten haben 4 Wochen lang zusammen mit Helfern bei Kälte und Regen auf unserer Mahnwache an der St. Katharinenkirche ausgeharrt / Hauptwache.

Wir waren am 10.11.2012 vor dem Hessischen Rundfunk und es wurde nachgesucht, mit den Vertretern des Hessischen Rundfunks zu sprechen. Jedoch kam kein Gespräch zustande, weil es vom Sender kein Interesse gab.

Anschließend waren wir vor der Iranischen Konsulat und haben dort gegen die Politik des Iran protestiert, unter der iranische Flüchtlinge zu leiden haben.

Wir reihen uns ein, in die in Würzburg, Berlin und in anderen Städten laufenden Aktionen von Asylsuchenden in Deutschland und anderen Ländern.

Derzeit sitzt ein Arbeiteraktivist im Iran im Gefängnis, weil er einen offenen Brief an Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und den iranischen Präsidenten geschrieben hatte. Weiter Informationen finden Sie auf dieser Webseite. Wir fordern zu seiner Unterstützung auf und gedenken seiner und aller anderen bedrohten Aktivisten.

Um den aktiv von Abschiebung bedrohten Flüchtlingen in Hessen helfen zu können, brauchen wir Spendengelder, um damit die anfallenden Anwaltskosten bestreiten zu können.

Die nächste Gelegenheit, um uns auf unserer Mahnwache an der Hauptwache unterstützen zu können, ist am Samstag den 17.11.2012 von 14:00 bis 18:00 Uhr. Weitere Mahnwachen folgen am 24.11.2012 und am 10.12.2012, dem internationalen “TAG DER MENSCHENRECHTE”.

SPENDENAUFRUF FÜR EINEN DRINGENDEN FALL:

Auf unserer Homepage finden Sie in Kürze den Spendenaufruf für eine akut von Abschiebung bedrohte Familie, damit wir die Anwaltskosten decken können. Empfänger, Kontonummer, Bankleitzahl und Verwendungszweck finden Sie auf unserer Homepage.

Kontakt: Fariba Abdolhassani und Shahnaz Morattab, Telefon: 01577 / 465 01 86

Impressionen von der Demonstration am 3.11. in Frankfurt

Galerie

Diese Galerie enthält 11 Fotos.

Rund 3oo Teilnehmer zeigten trotz widriger Wetterbedingungen ihre Solidarität mi den Asylsuchenden an der Hauptwache. Ein toller Erfolg und eine große Motivation für alle, die trotz Repressalien und Herbstwetter im Camp für ihre Rechte einstehen.          

Solidaritätskonzert beim Flüchtlingscamp in Frankfurt

Unter widrigsten Umständen hat Johannes Thon heute den Frankfurter Flüchtlingsstreik mit einem Solidaritätskonzert unterstützt. Begleitet wurde er von Alex Schnapper auf dem Cajon.
Hier könnt Ihr Euch das Konzert in Gänze (knapp 28 Minuten) angucken:

Die Ton-Qualität ist leider auf die Wetterverhältnisse zurückzuführen. Für die Demo am Samstag hoffen wir auf bessere Bedingungen… :)

Zweite Pressemitteilung seitens der protestierenden Asylsuchenden

Zweite Pressemitteilung seitens iranischer Asylbewerber/innen des Landes Hessen in Frankfurt vom 01.11.2012

Wir sind einige der in Hessen ansässigen iranischen Asylbewerber/innen, die nach Deutschland flüchten mussten, um ihr Leben zu retten. Unser Vorbild sind die verschiedenen Flüchtlingsproteste in anderen deutschen Städten. Besonders mit der Gruppe aus Würzburg stehen wir im engen Austausch. Dort hatten Flüchtlinge seit März diesen Jahres mehrere Monate für ihre Rechte demonstriert und bundesweit Aufmerksamkeit für ihre Situation erzielt.

Seit dem 20. Oktober streiken wir an der Hauptwache in Frankfurt(Main) für ein menschliches Asylrecht, bessere Bedingungen für alle Asylbewerber/innen und die sofortige Anerkennung als politische Flüchtlinge. Trotz Kälte und repressiven Aufforderungen seitens der Polizei, die Seitenwände des Pavillons herauszunehmen, sowie den kleinen Heizofen nicht mehr benutzen zu dürfen, machen wir weiter.

Wir kommen aus einem Land, in dem Menschenrechte täglich mit Füßen getreten werden. Menschen werden misshandelt, gefoltert, vergewaltigt, gesteinigt und hingerichtet. Frauen sind Bürgerinnen dritter Klasse. Es herrscht Geschlechterapartheid und weder Religions-, noch Meinungsfreiheit sind gegeben. Uns war und ist es dort nicht möglich, ein sicheres Leben zu führen. Wir mussten fliehen um unser Leben zu retten und suchten daraufhin Asyl in einem „sicheren“ Land. Doch in diesem hoch entwickelten Land, welches sich tagtäglich über Menschenrechtsverletzungen in anderen Staaten empört, sind wir immer noch mit einer unmenschlichen Behandlung konfrontiert.

Deswegen rufen wir zu einer Demonstration am Samstag den 3. November um 14 Uhr an der Hauptwache/ Roßmarkt in Frankfurt, auf.

Wir wollen nicht isoliert werden und von jeglichem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden, sondern die Möglichkeit bekommen, ein menschenwürdiges, normales Leben zu führen. Das, was so viele Politiker/innen so gerne von Migrant/innen fordern, nämlich „Integration“ wird uns zum Beispiel durch Residenzpflicht und Arbeitsverbot massiv verwehrt. Somit gehören schnellere Bearbeitungszeiten von Asylverfahren, einer verbesserte Unterkunftsbedingungen sowie eben die Abschaffung der Residenzpflicht und die von Arbeitsverboten für Flüchtlinge, zu den Forderungen, die wir umgehend umgesetzt fordern.

In diesem Sinne laden wir alle Menschen, die selbst von dieser menschenunwürdigen Politik betroffen sind und diejenigen, die uns unterstützen und mit uns gemeinsam für eine menschenwürdiges Asylrecht kämpfen wollen, ein, am Samstag den 3. November um 14 Uhr mit uns auf die Straße zu gehen.

Die Demoroute führt durch die Frankfurter Innenstadt und endet gegen 17 Uhr am Protestcamp an der Hauptwache. Einstimmend hierzu findet morgen am Freitag dem 2. November um 17 Uhr eine Kundgebung inklusive eines Solidaritätskonzerts, am Camp statt.

Lasst uns gemeinsam kämpfen, denn grundsätzlich gilt

Kein Mensch ist illegal – Bleiberecht überall!

Gleiche Rechte für alle!

Kontaktpersonen: Fariba Abolhoseini und Shahnaz Morattab; E-Mail: streikinhessen@gmail.com / Tel: 015774650186

Aktionen am 02. und 03.11. in Frankfurt

Am kommenden Samstag, den 03.11.2012, findet ab 14 Uhr eine Solidaritätsdemonstration mit den Flüchtlingsprotesten statt. Treffpunkt ist am Roßmarkt in Frankfurt. Die Route führt durch die Frankfurter Innenstadt und endet gegen 17 Uhr am Protestcamp an der Hauptwache.

Zudem findet am Freitag, den 02.11.2012 eine Kundgebung statt, inklusive eines Solidaritätskonzerts.

Weitere Informationen folgen in Kürze!

Den Flyer könnt ihr als pdf runterladen und verteilen!

Die Forderungen der Flüchtlinge

http://www.flickr.com/photos/frexxxenstein/

Die Flüchtlinge möchten, dass endlich ihr Status als politische Flüchtlinge anerkannt wird. Erst das würde ihre unsichere Situation beenden. Sie hoffen, „Dass sich die hessische Regierung an ihre Versprechen hält und den leidvollen und anstrengenden Asyl-Prozess verkürzt. Es kann nicht sein, dass Menschen jahrelang auf ihren Bescheid warten müssen oder geduldet werden, in der ständigen Angst vor der Abschiebung. In unserer Heimat warten Folter, Vergewaltigung und Haft auf uns – wir fordern die Einsicht des deutschen Staates, dass für uns in der „Islamischen Republik“ Iran kein lebenswertes Leben mehr möglich ist.“

„Vor allem für Flüchtlinge aus Krisenländern und -gebieten wie Afghanistan, Iran oder Syrien fordern wir, dass politisches Asyl leichter gewährt wird.“
Gleichzeitig fordert das Bündnis, die Residenzpflicht abzuschaffen, Unterkunftsbedingungen zu verbessern, Dolmetscher und Sprachkurse
anzubieten und Arbeitsgenehmigungen zu vergeben. „Wir wollen gerne arbeiten, wir sind gut ausgebildet, Maschinenbauer, Krankenschwestern, alles Berufe, für die Bedarf besteht in Deutschland. Wir wollen nicht von Almosen leben, sondern wir wollen arbeiten und ein selbstständiges Leben in Ruhe und Sicherheit führen – so wie jeder andere Mensch in Deutschland auch.“

Was kann die Frankfurter/hessische Bevölkerung tun?

http://www.flickr.com/photos/frexxxenstein/ cc SA-NC

Die Streikenden erhoffen sich von ihrer Aktion, dass sich die deutsche Bevölkerung mit dem Thema Asyl und Flucht beschäftigt und mit ihrer Unterschrift unter der Resolution (welche, bitte verlinken) setzt und so seine Stimme für die Asylsuchenden einsetzen. Die Streikenden hoffen auf Verständnis und Solidarität. Sei es, dass sie mit Decken und Paletten bei ihrem Streik draußen in der Kälte an der Hauptwache unterstützt werden oder mit Lebensmittelspenden. Die Unterstützung des Streiks sollte ein Zeichen sein gegen die soziale Kälte.

http://www.flickr.com/photos/frexxxenstein/ ccSA-NC

Deutschland hat erst vor 20 Jahren die Herrschaft eines restriktiven Überwachungsstaats auf seinem Boden beendet. Jeder hat die Flüchtlinge verstanden, die sich mit teilweise spektakulären Fluchten über die innerdeutsche Mauer aus der DDR gerettet haben. Sie wurden als Helden gefeiert. Auch die Flüchtlinge aus dem Iran fliehen aus ähnlichen Beweggründen. Sie fliehen vor Überwachung, Unterdrückung, die Frauen sogar vor der völligen Aufgabe jeglicher Rechte. Dafür sollten wir Verständnis haben.

Der Fall Fariba Abolhosseini

Eine Frau und ihre zwei Töchter sind seit über acht Jahren in Deutschland nur geduldet, ihnen drohte und droht den gesamten Zeitraum über die Abschiebung. Fariba Abolhosseini erklärt ihre verzweifelte Situation: „Wir sind seit fast neun Jahren in Deutschland und meine Töchter sind jetzt 13 und 11 Jahre alt. Unser Asylantrag wurde zweimal abgelehnt. Ich bin in Deutschland politisch gegen das iranische Regime aktiv, bei einer Abschiebung droht mir deshalb Verfolgung. Vor allem aber will ich nicht, dass meine Kinder unter
meinem Aufenthaltsstatus leiden müssen, sie trifft keine Schuld. Ich
kämpfe deshalb hier für die Zukunft meiner Töchter.“ Ihr Status bedeutet, dass Fariba Abolhosseini eigentlich immer auf gepackten Koffern sitzen müsste, denn sie kann zu jeder Tag- oder Nachtzeit abgeholt und abgeschoben werden in eine mehr als unsichere Zukunft.
Dass dadurch Angst und starke psychische Probleme entstehen, liegt auf der Hand. Vor allem leiden die Kinder: sie haben Bauchschmerzen und Kopfschmerzen durch die ständige Angst und Unsicherheit. Die Kinder sind zurzeit immer bei anderen Verwandten untergebracht und würden gerne mit demonstrieren und ihrer Mutter beistehen. Das ist nicht möglich.

Situation der Flüchtlinge in Deutschland

Die Situation ist für die Flüchtlinge in hohem Masse problematisch, denn der Iran gilt trotz diktatorischer Zustände, Folter und Unterdrückung als sicheres Land, in das problemlos abgeschoben werden kann. Doch diese Sicht der Politik berücksichtigt weder die politische Situation noch die besondere Härte gegenüber Frauen im Iran.

Deswegen wird den Streikenden der Status eines politischen Flüchtlings nicht zuerkannt. Drei der Frankfurter Streikenden sind nur geduldet, haben keinen Pass erhalten und können jederzeit abgeschoben werden. Andere haben einen 6-3 Monate gültigen Ausweis. So leben sie permanent mit dem Damoklesschwert der Abschiebung. Und weil viele schon sechs oder mehr Jahre hier in Deutschland aktiv gegen die Diktatur im Iran gekämpft haben, würden sie bei einer Rückkehr massive Probleme mit dem Regime bekommen. Es gibt für sie keine Sicherheit, es drohen Haftstrafen und Folter. Insbesondere die Frauen müssten mit Vergewaltigung, Misshandlung und Haft rechnen.